Montag, 6. März 2017

Fahrradkleid

Let me tell you what I think of bicycling. I think it has done more to emancipate women than anything else in the world. I stand and rejoice every time I see a woman ride by on a wheel. It gives woman a feeling of freedom and self-reliance. It makes her feel as if she were independent. The moment she takes her seat she knows she can’t get into harm unless she gets off her bicycle, and away she goes, the picture of free, untrammeled womanhood.”

Susan B. Anthony, 1896 
(in einem Interview mit Nellie Bly)


Als ich Walter das erste Mal von meinem neuen historischen Nähprojekt erzählte, hat er mich ziemlich groß angesehen und gesagt: "Ich hätte nie gedacht, dass sich unsere Hobbies jemals treffen!"
Ganz ehrlich, ich hätte es auch nie für möglich gehalten, dass mir Radfahren einmal so viel Spaß machen und ich mir sogar ein historisches Fahrradoutfit nähen würde. Auch habe ich bisher immer einen ziemlich großen Bogen um die Mode der Jahrhundertwende gemacht; nicht zuletzt wegen der mächtigen und doch eher unvorteilhaften Keulenärmel... Der Gedanke in historischer Kleidung auf ein Fahrrad zu klettern brachte mich allerdings dazu dies noch einmal zu überdenken ;-)

Im späten 19. Jahrhundert, als das Radfahren auch für Frauen langsam zu einer geduldeten Freizeitbeschäftigung wurde, trugen Frauen noch bodenlange Röcke. Bestenfalls wurden in den Saum der Röcke Gewichte eingenäht, damit diese - Gott behüte - nicht beim Fahren hochgeweht wurden. Nach und nach kamen kürzere Röcke, teilbare Hosenröcke und weite Pluderhosen, die sogenannten Bloomers (benannt nach der Frauenrechtlerin Amelia Bloomer) bei den Radfahrerinnen in Mode.


Bicycle Dress, Harper´s Bazaar (1894)

La bicycliste, La Parisienne peinte par elle-même (1897)
Quelle: commons.wikimedia.org

"The Bicycle Suit", Punch Magazine (1895)
Quelle: victorianweb.org


Man kann sich gut vorstellen, dass diese Bloomers nicht unbedingt überall bzw. bei jedem auf Begeisterung stießen. Plötzlich zeigte man frau doch tatsächlich Beine! Skandalös, einfach nur skandalös!!! ;-)


On the Promenade. On Cycle.
Practical Fashion, Street Studio (June 1896) 


Aber nun zu meinem Nähprojekt. Mein erstes historisches Fahrradoutfit wurde nach dem Schnittmuster Laughing Moon Nr. 110 (Ladies 1890's Sporting Costumes with Leggings) genäht. Schößchenjacke und Bloomers entstanden aus kleinkariertem grau-schwarzen Wollstoff. Geschlossen wird die Jacke mit vielen vielen Haken.







Die passenden Gamaschen sind aus grauen Wollresten aus meinem Fundus, gefüttert mit grauer Baumwolle. Ganz zufrieden bin ich damit aber nicht, da sie beim Rumradeln runterrutschen. Ich muss sie wohl enger machen und die 24 Knöpfe nochmals neu annähen...




Für meine erste Ausfahrt zu Fasching habe ich mein Outfit komplettiert mit Strohhut, Handschuhen und einer Suffragetten-Rosette aus violetter, grüner und weißer Baumwolle. Mangels historischem Fahrrad fuhr ich mit meinem geliebten aber viel zu modernen Brompton. Irgendwann wird mir schon noch ein altes Fahrrad über den Weg laufen/fahren und dann gibt es noch ordentliche Fotos mit dem passenden fahrbaren Untersatz :-)




Fahrradfahren im "neuen" Fahrradkostüm war richtig lustig. Anfängliche Bedenken mit Korsett zu radeln waren schnell verflogen. Gewöhnungsbedürftiger fand ich eher so viele Kleidungsschichten beim Radfahren zu tragen. Ganz abgesehen von der Wolljacke trug ich darunter immerhin Chemise, Unaussprechliche, Korsett und ein langärmliges Hemd. Aber auch das war schlussendlich kein Problem, ich fuhr einfach ein wenig gemütlicher ;-)

Natürlich habe ich versucht mich bei meiner ersten Ausfahrt auch an die 41 Punkte der "Don’ts for Women on Bicycles" zu halten, die am 21. Juni 1895 von der Newark Sunday Advocate veröffentlicht wurden. Allen voran an den zweiten Punkt: Don’t faint on the road :-D

Samstag, 17. Dezember 2016

Hasenbett

Als Eva und Mathias uns erzählt haben, dass sie ein Baby erwarten, hatte Walter schnell die Idee ihnen ein Babybett zu bauen. Ein mitwachsendes Kinderbett aus schönen Leimholzbrettern aus Buche und vielen vielen Rundholzstäben für die Seitenteile...




... mit einem von mir genähten Babynest aus Baumwolle, gefüttert mit feinem Schafwollvlies. Der Innenstoff zeigt die Hasen aus dem Buch "Weißt Du eigentlich, wie lieb ich dich hab?" ♥




Passend dazu gibt es auch am Fußende das Motiv von einem Hasen zu sehen :-)




Aber alles von Anfang an. Als erstes wurden die zahlreichen Bretter, Leisten und Rundholzstäbe zugeschnitten. Und natürlich der Hase gezeichnet und ausgeschnitten :-)





Damit von außen möglichst wenig Schrauben zu sehen sind, wurden die Steher von Kopf- und Fussteil mit Einschraubmuttern festgeschraubt.




Dann durfte geleimt werden...




... und schon war das erste Teil für das Bett fertig!




Weiter ging es mit den Seitenteilen!






Endlich wurde es Zeit für einen ersten Zusammenbau...




... und für eine erste "Anprobe" des genähten Babynestchens :-)




Als letztes wurde der Lattenrost gebaut - aus Buchenholzleisten und einem ausgedienten Lattenrost :-)





Viele Stunden mit Schmirgelpapier und Oberfräse später konnten wir das Bett ausliefern...





... und bei Eva und Mathias zusammenbauen :-)





Das passiert, wenn man das Bett
von innen zusammenschraubt ;-)


Höhenverstellbar, damit der Nachwuchs möglichst
lange Freude mit dem Bett hat :-)










Nun heißt es warten auf die neue Besitzerin ♥



Sonntag, 27. November 2016

Adventszeit

Mit dem ersten Adventssonntag verwandelt sich unser Haus jedes Jahr in eine kleine Weihnachtswelt. Im Wohnzimmer hängen Weihnachtsquilt und Adventskalender, im Vorzimmer das "verschneite Dorf" und überall stehen Kerzen und Weihnachtszeug.
Natürlich habe ich auch heuer wieder einiges an Weihnachtsdeko gebastelt. So wie unseren heurigen Adventskranz, gebunden aus Tannenreisig und Hagebutten und verziert mit verschiedensten Naturmaterialien: getrocknete Scheiben von Äpfeln und Orangen, Zimtstangen, Anissterne, Zapfen, Holzsterne und eine große Schleife aus Leinen.






Für den Stiegenaufgang habe ich einige Tannenzweige zur Girlande gebunden und mit karierten Schleifen und herrlich kitschiger Weihnachtsdeko verziert.






Unseren Türkranz wollte ich heuer wieder mit Ilex binden, aber ich konnte leider keine schönen Stechpalmenzweige ergattern... Also entstand auch der Türkranz aus Tannenreisig ;-)
Für die Schleife wurde rotes Leinenband mit weißem Perlgarn bestickt.





Und natürlich hat auch unser Fensterbankerl noch ein wenig Kitsch in Form von einem Gesteck erhalten. Morgen bekommt auch noch das Fenster selbst ein wenig Dekoration. Gemeinsam mit meinen Tageskindern möchte ich aus Papier Sterne ausschneiden, diese bemalen und ins Fenster hängen.





Hoffentlich habt Ihr genauso viel Freude dabei Euer Zuhause für die Weihnachtszeit vorzubereiten. Auf alle Fälle wünsche ich Euch eine wunderschöne und vor allem gemütliche Adventszeit ♥



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